Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Markt Schwaben – Zuletzt ist es das Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben, das im bundesweiten Wettbewerb „Bildungsidee Deutschland“ ausgezeichnet wird für seinen Beitrag, den es zur Initiative Offenes Haus leistet. Doch seit es das Projekt in Markt Schwaben gibt, ins Leben gerufen vor zehn Jahren von Bettina Ismair, sammelt es Auszeichnungen verschiedener Institutionen, von der Bertelsmann-Stiftung, den deutschen Sparkassen, dem Bayerischen Rundfunk bis hin zu den Barmherzigen Schwestern, der TAZ und natürlich der Heimatgemeinde selbst.
Immer, wenn es um Integration, um tätige und unbürokratische Hilfe für Kinder aus ausländischen Familien geht, ist das Offene Haus ein Kandidat. Die finanzielle Hilfe, die damit – manchmal – verbunden ist, ist aber auch dringend notwendig.
„Wir bekommen ja keinerlei Zuschüsse und nur deshalb bewirbt man sich halt um solche Preise“, sagt Bettina Ismair. Die zweifache Mutter aus Markt Schwaben ist die diejenige, mit der alles begann und bei der letztendlich alle Fäden zusammen laufen. Zehn Jahre ist es jetzt her, als in der Klasse ihres jüngeren Sohnes drei afghanische Kinder saßen, die kein Wort deutsch verstanden. Ismair reagierte sofort, aktivierte ein paar Markt Schwabener Familien und fortan war der Mittwochnachmittag reserviert: Immer zu zweit durften die jungen Afghanen zu einem Klassenkameraden nach Hause, dort Hausaufgaben machen, spielen, Brotzeit machen, Deutsch – und wieder lachen lernen. Immerhin kamen sie aus einem Land, in dem sie Terror und absolute Unterdrückung erlebt hatten. Für die deutschen Familien eine Herausforderung. Und obwohl im Markt Schwabener Asylbewerberheim damals alle möglichen Nationen untergebracht waren, die in ebenso vielen Sprachen kommunizierten, sprach sich die Sache herum. „Am dritten Mittwochnachmittag stand der gesamte Nachwuchs des Asylbewerberheims auf dem Pausenhof und wollte mitgehen“, erzählt Ismair. Also trommelt sie weiter: Schon im September des selben Jahres haben sich 15 Familien gefunden, die sich um die Kinder kümmern wollen.
Doch bei der privaten Hausaufgabenbetreuung alleine bleibt es nicht, die Idee wird weitergetragen. Im Jahr 2003 sind die freiwilligen Helfer und Beteiligten am Projekt „Offenes Haus“ – mittlerweile ist aus einem Programm ein Name geworden – im Asylbewerberheim gern gesehene Gäste. Sie unterstützen die Menschen bei Behördengängen, sorgen dafür, dass aus einem Abstellgelände ein Garten für die vielen Kinder entsteht, organisieren gemeinsame Feste, helfen denjenigen beim Umzug, die einen gesicherten Aufenthaltsstatus bekommen haben. Mit der Einführung der Drittstaatenregelung kommen kaum mehr Asylbewerber nach Deutschland, das Heim wird geschlossen, die Kinder des Offenen Hauses aber weiter betreut. Kinder aus Gastarbeiterfamilien kommen dazu. „Warum ein Kind aus seiner Heimat gerissen wird, ist letztlich egal“, sagt Bettina Ismair, „hier ist es erst einmal nur fremd.“
Die Kinder der ersten Generation besuchen mittlerweile weiterführende Schulen, am Gymnasium wird eine Hausaufgabenbetreuung für Migrantenkinder eingerichtet, Gymnasiasten können an einer Arbeitsgruppe „Offenes Haus“ teilnehmen, mit der Einführung des G 8 wird sogar ein Praxisseminar daraus, die Schüler erhalten auch theoretischen Unterricht und setzen ihre Kenntnisse in praktische Integration um. Ein Netz entsteht, das Gymnasium kooperiert mit der Hauptschule und dem Hort. Zusammen mit Hortkindern produzieren 14 Schüler des Gymnasiums in diesem Jahr einen Comic-Film, für den sie vom Bundesbildungsministerium auszeichnet werden.
Bei allem Erfolg der Initiative bleibt eines der Kernpunkt: Sie kann nur funktionieren, wenn es Menschen gibt, die sich einsetzen, die helfen wollen, einfach so, ohne etwas dafür zu erwarten. Und solche, die mit ihrer Spende ihren Teil dazu beitragen. Immer wieder gibt es Familien, die hierher kommen und mit nichts dastehen, nicht mal einen Kühlschrank haben. Auch in solchen Fällen springt die Initiative Offenes Haus ein, wenn sie kann. Getreu dem Lieblingszitat von Bettina Ismair: „Der Fremde, das ist der Mensch, hinter dem sich ein Engel verbergen könnte – falls man ihn bei sich aufnimmt.“
(SZ vom 24.12.11)