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22.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Dachau

Kampf gegen multiple Sklerose

„MS hat tausend Gesichter“, sagt Inge Hirth. Die 48-jährige Karlsfelderin weiß das nur zu genau, denn seit beinahe 30 Jahren lebt sie selbst mit der Diagnose „Multiple Sklerose“. Fast genauso lange engagiert sich Hirth auch in der MS-Selbsthilfegruppe für den Landkreis, die Betroffenen und deren Angehörigen Information, Austausch und in Notfällen auch finanzielle Unterstützung anbietet.



Eine wichtige Hilfe, nach der bei Inge Hirth immer mehr Betroffene verlangen. Denn die komplexe Erkrankung erfordere viel Eigeninitiative und Kämpfergeist.
„Damals gab es noch kaum Informationsmaterial“, erinnert sich Inge Hirth an die Zeit, als bei ihr Multiple Sklerose ärztlich festgestellt worden ist. Umso wichtiger war daher der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen, die sich einige Jahre darauf in der Selbsthilfegruppe zusammen gefunden haben. Inzwischen habe die Medizin Fortschritte gemacht, „die Diagnostik wurde verbessert“. Auch in der Therapie ergäben sich neue Ansätze, doch nicht jede als hilfreich empfundene Behandlung werde von den Krankenkassen auch finanziert. Wie viele Male sie selbst bereits Widerspruch eingelegt hat gegen einen Ablehnungsbescheid der Kasse, das hat Inge Hirth nicht gezählt. Aber um erfolgreich zu sein, da ist sie sich sicher, „muss man schon fast selbst ein kleiner Arzt sein und ein Anwalt noch dazu“. Gerne widmet sich Inge Hirth nicht dem fortwährenden Schriftwechsel mit der Krankenkasse, „aber es ist ein Erfordernis“, sagt sie mit Nachdruck.
Dabei ist die lebhafte Frau als Folge der Multiplen Sklerose auf den Rollstuhl angewiesen, seit einer Halswirbeloperation vor vier Jahren kann sie auch ihre Arme nicht mehr bewegen. In der Selbsthilfegruppe ist daher die Vorsitzende „die am schwersten Behinderte von allen“, merkt sie ganz sachlich an. Doch ihr Handicap nimmt Inge Hirth mit bewundernswerter Tatkraft an. Den Elektrorollstuhl steuert sie mit dem Kinn, Geräte wie Computer oder Fernseher bedient sie per Sprachsteuerung. „Man muss sich etwas einfallen lassen und sich zu helfen wissen.“ Diesen Elan und Optimismus möchte sie auch in der MS-Selbsthilfegruppe vermitteln. Menschen, die gerade mit der Diagnose MS konfrontiert worden sind, „haben sehr viele Fragen“. Telefonisch holen Betroffene meist zunächst Basiswissen und hilfreiche Adressen ab. Zu den monatlichen Treffen der Gruppe, zu denen auch Fachreferenten geladen werden, kommen bis zu 30 Teilnehmer. Am Herzen liegt Inge Hirth der persönliche Erfahrungsaustausch. Denn manch körperliche Beeinträchtigung, die im Verlauf der Erkrankung auftreten kann, wie etwa Inkontinenz oder Probleme mit der Gehfähigkeit „sind nicht gesellschaftsfähig, aber wir reden über alles“.
Und damit die Freude am Leben trotz der schweren Erkrankung nicht zu kurz kommt, organisiert die MS-Selbsthilfe einmal im Jahr auch einen betreuten Ausflug. Diese wertvolle Arbeit der MS-Selbsthilfe wird der SZ-Adventskalender mit Hilfe der SZ-Leser auch im kommenden Jahr wieder finanziell unterstützen.

(SZ vom 22.12.11)