Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Sein Leben lang hat er den Luxus vor Augen gehabt: Stefanos P. (Name geändert) war Kellner in sehr guten Häusern. Seine letzte Anstellung hatte er in einem Münchner Hotel. Im Alter von 56 Jahren wurde ihm gekündigt. Heute ist Stefanos P. 66 Jahre alt. Er hat keine Zähne, kaum Kleidung, ihm fehlt ein Kühlschrank.
Um seine alte Mutter in Griechenland zu unterstützen, nahm er vor Jahren einen Kredit auf, die Schulden sind ihm geblieben.
Zur Gemeindeorientierten Sozialen Arbeit/Sozialen Beratung der Caritas in Haar kam P. im September 2010 – kurz vor dem Zusammenbruch: Er konnte die Miete nicht mehr bezahlen, hatte Depressionen. Seit Jahren ist er außerdem magenkrank, nur ein Schatten seiner selbst und völlig abgemagert. Nur seine Würde hat er nach seiner Kündigung nicht verloren: Stefanos P. geht nur in Hemd und Sakko aus dem Haus – wenn es auch immer dasselbe ist. Seine Scham ist so groß, dass er nicht zur Haarer Tafel zum Essen geht, obwohl er sehr oft hungrig ist.
„Er ist ein total bescheidener Mensch“, sagt Siglinde Schmid-Satzger, Sozialpädagogin in der Gemeindeorientierten Sozialen Arbeit in Haar. Anfangs kam P. alle zwei Wochen zu ihr, inzwischen nur noch alle sechs bis acht Wochen. Weil jetzt seine Welt nicht mehr jeden Tag unterzugehen droht, seine Wohnung sicher ist, er wieder ein Konto hat und die Schuldner bis auf weiteres ruhiggestellt sind, kann er sich auch wieder zeitweise alleine durchschlagen. Zum Leben bleiben ihm dank Grundsicherung 385 Euro. Denn seine Rente von 508 Euro reicht nicht aus, um den Lebensbedarf und die Mietkosten zu decken.
„Armut im Alter ist zunehmend ein Thema“, sagt Schmid-Satzger. „Vor allem auch wegen der steigenden Mieten.“ So entstehen oft Probleme, wenn jemand aus dem Erwerbsleben ausscheide, in Arbeitslosigkeit oder Rente. „Oft ist eine Miete, die vorher bezahlbar war, dann zu hoch.“ Das kann auch Grundsicherungsbezieher treffen, wenn sich die Haushaltsgröße durch den Auszug eines Familienmitglieds ändert. So bei Getrud P., einer alleinstehenden 68-Jährigen, die für ihre Dreizimmerwohnung 735 Euro zahlt. Solange der Sohn noch mit dort wohnte, galt dies als angemessen für zwei Personen. Seit er ausgezogen ist, muss die Frau die 100 Euro Differenz selbst tragen, hat also nur noch 285 Euro zum Leben.
Als „angemessene Miete“ für eine Person gilt bei der Grundsicherung im Landkreis München 460 Euro kalt. Karla B., 79, bekommt keine Grundsicherung, weil ihre Rente „knapp drüber“ liegt. Da sie jedoch viele Medikamente braucht, die wie ihre Brille nicht mehr alle von der Kasse bezahlt werden, kommt sie mit ihrer Rente nicht über die Runden.
Inzwischen hat sie ein zusätzliches Problem: Sie ist lungen- und herzkrank und kann sich daher nicht mehr alleine versorgen. Doch für Leistungen der Pflegeversicherung erfüllt sie die Voraussetzungen nicht, dafür geht es ihr einfach noch zu gut. „Das Pflegegesetz sieht nicht vor, dass jemand aufgrund von Herzinsuffizienz, Asthma und Atemnot für alles länger braucht“, bedauert Schmid-Satzger. „Das Pflegegesetz schaut nur darauf, wie die Funktionalität eingeschränkt ist.“ Da Karla B. noch alleine duschen kann, wenn auch mit Schwindel und Atemnot, erfüllt sie nicht die Voraussetzungen. In ihrer Verzweiflung kam die alte Dame zur Caritas, wo man ihr half, Widerspruch gegen den Bescheid der Pflegekasse einzulegen, was aber vergebens war.
Die Rentnerin möchte klagen. „Da sehe ich aber wenig Hoffnung auf Erfolg“, sagt Schmid-Satzger. Den beiden Menschen könnte mit den Spenden des Adventskalenders geholfen werden. Wenn Stefanos P. ein Gebiss bekäme, würde seine Scham vielleicht ein wenig sinken. Wenn ihm dazu noch ermöglicht würde, seine alte Mutter in der Heimat zu besuchen, wäre er überglücklich.
Aber auch über einen Kühlschrank oder einen Fernseher würde er sich sehr freuen. Für die 79-Jährige wäre wichtig, wenn sie sich eine Hilfe leisten könnte für das Einkaufen und Saubermachen, jemand der auch einmal auf Zuruf kommt. Das ist nicht sündhaft teuer, aber überaus wertvoll.
(SZ vom 03.12.11)